Mittwoch, 22. Februar 2012 - 20:01:23
 

Pferd

 

Unsere_Schule_PferdVor unserer Schule erinnert seit 1969 die Bronzeplastik „Die vier Haimonskinder“ an die gleichnamige Sage.

 

Die Plastik wurde von dem Bildhauer Heinz Klein-Arendt geschaffen und stellt die Haimonskinder auf ihrem Wunderross Bayard dar. Die vier Haimonskinder [Bildquelle: Wikipedia.org] König Karl war der Herrscher von Frankreich. Er lag im Streit mit seinem Grafen Haimon von Dordogne, der viele Freunde hatte. Alle waren edle Ritter und Grafen. Mit diesen Freunden führte er Krieg gegen den starken König. Einmal siegte der König, das andere Mal der Graf Haimon.

 

Der Graf hatte vier tüchtige Söhne. Der älteste wurde Ritsart genannt, der zweite Witsart, der dritte Adelhart und der jüngste Reinold. Er war der stärkste und tapferste von den vier Kindern. Im ganzen Land wurden sie die vier Haimonskinder genannt.

 

Als der Vater seine Söhne zu Rittern geschlagen hatte, sollte jeder auch ein tüchtiges Ross bekommen. Reinold, der größer und breiter als die anderen war, erhielt das stärkste Pferd. Aber Reinold besah sich das Tier, schlug mit der Faust gegen den Kopf, so dass das Pferd umfiel und nicht wieder aufstand.

 

Der Vater führte Reinold ein anderes Tier vor, aber mit dem geschah das gleiche wie mit dem ersten und ebenso passierte es mit einem weiteren Pferd. Der Vater wunderte sich sehr über seinen starken Sohn und sagte: „ 26 In der Stadt steht ein Pferd in einem Turm, das hat die Kraft von zehn anderen Pferden. Ich will es dir schenken, wenn du es dir gefügig machst, aber sieh dich vor, dass es dich nicht zu Tode schlägt.“

 

Reinold ging in den Turm, und als er in die Nähe des Pferdes kam, schlug es so heftig aus, dass Reinold ohnmächtig hinfiel. Nach ein paar Stunden wachte Reinold auf, fasste das Pferd beim Kopfe, brachte ihm das stählerne Mundstück ins Maul, setzte sich auf das Pferd mit Gewalt und ritt aus dem Turm. Er gab dem Tier die goldenen Sporen, die er von seiner Mutter bekommen hatte und ritt auf dem zornigen Gaul davon. Er setzte über breite Gräben, sprang über Mauern und ritt den ganzen Tag, bis das Pferd müde war. Da merkte das Tier, dass es seinen Meister gefunden hatte und fügte sich von nun an willig, wie Reinold es wollte. Nun ritt der junge Held mit seinem Pferd Bayard häufig in den Kampf, und manches Mal verdankte er dem klugen und schnellen Tier das Leben.

 

Einmal wurden die Pferde seiner Brüder von Feinden erschlagen, da ließ Reinold sie hinten aufsitzen, und das Tier brachte alle vier Haimonskinder sicher nach Hause. Aber bald mussten sie vor der Gewalt des Königs Karl aus dem Lande weichen. So dienten die Haimonskinder einem fremden Herrn, der aber nach drei Jahren keinen Lohn für ihre Heldentaten zahlen wollte. Da wurde Reinold zornig und schlug seinem Herrn das Haupt ab. Nun umringte das ganze Volk die Haimonskinder und wollte sie umbringen. In dieser Not sprangen sie alle auf den starken Bayard, und Reinold flüsterte dem treuen Tier ins Ohr: „ Du musst uns heute vom Tode erretten!“ Da verstand das Ross seinen Reiter, schlug mit den Hufen um sich, dass die Widersacher flohen oder tot zu Boden fielen und trug die Haimonskinder sicher davon.

 

Reinold floh mit seinen Brüdern in ein anderes Land und baute dort eine feste Burg und für Bayard einen großen Stall. Als Reinold nun viele Jahre im fremden Land gelebt hatte, bekam er Heimweh und ritt nach Paris, um seine Mutter zu besuchen. Er schlief nahe bei der Stadt in einem Waldstück und band sein Pferd an einen Baum. Das Pferd aber riss sich los, weil es Hunger hatte und weidete auf einer Wiese nahe dem Walde. Hirten sahen das große Pferd, fingen es ein und brachten es dem König. Dieser freute sich und glaubte, durch das Pferd auch bald Reinold in seine Gewalt zu bekommen.

 

Reinold war sehr betrübt, als er bemerkte, dass ihm sein Pferd gestohlen wurde. Er hatte aber einen Vetter, der ein Zauberer war. Dieser hatte erfahren, dass der starke Roland, dem der König das Pferd geschenkt hatte, vor dem ganzen Volk auf einer Wiese reiten wollte. Der Vetter verzauberte seinen Freund Reinold in einen Mann von hundert Jahren und zog ihm alte Kleider an. Er verwandelte sich selbst in einen Pilger, und so machten sich beide auf den Weg und kamen auf die Wiese. Der König hatte sich 27 eingefunden und Roland führte Bayard am Zaum. Der Vetter aber redete den König an und bat ihn, da er den alten Mann, der taub und blind sei, aufsitzen lasse. Der König gewährte es dem alten Mann aus Mitleid. Zweimal fiel Reinold vom Pferd und tat, als ob er nicht reiten könnte. Dann aber setzte er sich fest in den Sattel, gab Bayard die Sporen und sprengte dem verdutzten König und dem ganzen Volk davon.

 

Der König war zornig, dass er auf diese Weise um den guten Bayard betrogen wurde und wollte ein Ross haben, das schneller und stärker als Reinolds Pferd sei. Er ließ die besten Pferde aus dem ganzen Frankenreich zusammenkommen, und alle sollten um die Wette laufen. Der Sieger sollte als Preis eine goldene Krone bekommen. Da ritt auch Reinold mit Bayard hin. Der Zauberer hatte ihn in einen Knaben von 15 Jahren verwandelt und Bayard, der eine Rappe war, das Haar weiß gefärbt. So erkannte der König weder Reinold noch sein Ross. Er gewann das Rennen, und da er fürchtete, doch erkannt zu werden, nahm er am Ziel schnell die Krone und eilte auf Bayard davon.

 

Endlich aber, nach vielen Jahren, hatte der König die vier Haimonskinder in ihrer Burg eingeschlossen. Lange Zeit hielten sie der Übermacht stand. Dann aber baten sie um Gnade. Der König gewährte ihnen diese, aber sie mussten ihm Bayard überlassen. Das war für Reinold ein großer Verlust, aber er willigte ein.

 

Da ließ der König, weil er über das Pferd sehr zornig war, das treue Pferd auf eine Brücke führen und in den Strom stürzen. Doch bald tauchte Bayard wieder auf und schwamm zu seinem Herrn. Jetzt ließ der König dem starken Tier Mühlsteine an Hals und Füße heften und es dann in den Fluss stoßen. Aber wiederum befreite sich Bayard von der Last und kam zu Reinold zurück. Erst beim dritten Mal war es so erschöpft, dass es ertrank.

 

Reinold aber, der den jämmerlichen Tod seines treuen Tieres, das ihm so manches Mal das Leben gerettet hatte, mit ansehen musste, zog seine Ritterrüstung aus und lebte von nun an als Einsiedler im Walde.